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Erdgas-Autos


Zum SeitenanfangErdgas-Erfahrungsbericht (März 2008)

Ende März 2008 begab sich ein "VCD-Erdgas-Testfahrer" aus dem Vorstand auf große Fahrt - nach Rom! Um die Reise noch aufregender zu gestalten, wählte er als Transportmittel unser erstes eigenes Erdgas-Auto, den neuen Opel Combo Kastenwagen CNG. Nach 3.672 km Fahrtstrecke (oder genau 14 Tankbelege später) entstand der folgende Reisebericht.


Zum SeitenanfangMit dem Erdgasauto nach Italien

Jahrhunderte lang war das Erlebnis einer Reise nach Italien im Prinzip das gleiche: ob es die Pilger waren, die im Mittelalter zu Fuß nach Rom gelaufen sind, ob Goethe in seiner Kutsche oder unsere Eltern im VW-Käfer auf dem Weg zur Adria. Man erreichte hinter dem Bodensee das Schweizer Hügelland, erklomm durch die düstere Via Mala den San Bernardino-Pass und fuhr hinab ins liebliche Tessin. Nach der eintönigen Po-Ebene überquerte man den Apennin und kam in die Toskana und schließlich nach Rom.

Doch wenn man mit einem Erdgasauto, einem postgelben Opel-Combo, unterwegs ist, wie ich das zum ersten Mal probierte, erlebt man die Strecke aus einer völlig neuen Perspektive. Man fährt von der AGIP-Tankstelle an der schweizer Grenze in Au zur Tankstelle Chur-Süd (leider die einzige in ganz Graubünden), von dort über Mendrisio (wieder AGIP) zur Erdgastankstelle in Guardamiglio bei Piacenza. Plötzlich reduziert sich Europa zu einem Netz von Erdgastankstellen. Eine Fahrt mit dem Erdgasauto muss man noch vorplanen, denn leider ist das Tankstellennetz noch nicht so eng. Vor allem in der Zentralschweiz klaffen noch Lücken, und mein Erdgasauto braucht bei einer Reichweite von ca. 300 km relativ oft Nachschub.

Mittagspause

Ich habe trotzdem kurz vor dem San Bernardino eine Mittagspause im Bodenhaus in Splügen gemacht, um die Bergluft zu genießen und mit der Gerstensuppe Kraft für den Pass-Aufstieg zu tanken. Auch der Mensch braucht Pflege. Das Auto zehrte derweil noch vom Gas aus Au. Dafür habe ich dann die Tankstelle in Mendrisio am Luganer See links liegen gelassen - die Tanknadel wiegte mich noch in Sicherheit. Der Stop-and-Go-Verkehr rund um Mailand kostete allerdings viel Energie: nicht nur meine psychische, sondern auch die meines Vehikels. Und so wurde die Fahrt nach Guardamiglio etwas eng. Es gäbe zwar genügend Gastankstellen rund um Mailand, das italienische Netz ist dichter als das deutsche - nur leider habe ich von dort keine Adressen notiert. Als das Navigationsgerät noch 60 km bis zur Zapfpistole ansagt, kommt die Tanknadel in den roten Bereich. Bei 40 km fängt das Tankstellensymbol an hektisch zu blinken - und wer es gewöhnt ist, mit Benzin zu fahren, wird jetzt auch langsam unentspannt. Ich beginne mich darauf einzustellen demnächst auf dem Standstreifen auszurollen und ärgere mich, dass ich nicht die Nummer vom TCI (italienischer ADAC) gespeichert habe. Ich schaue mich um, wo ich bin, um im Notfall meine Position angeben zu können. Nächste Ausfahrt: Casalpusterlengo. Klingt irgendwie nicht optimistisch. Doch dann geschieht das Wunder.
Nach einem kaum spürbaren Ruckler zieht die Tanknadel zügig auf "vollgetankt" nach oben. Was war das? Die Göttliche Betankung von Casalpusterlengo? Nein, ganz profan: mein Erdgasauto hat einen Reservetank mit Benzin, das noch einmal für etwa 120 km reicht. Ich bekomme sozusagen mein zweites Leben. Ich fahre jetzt zwar weniger umweltfreundlich, aber ich fahre, und die letzten 12 km bis zur Erdgastankstelle sind nur noch ein Klacks. Die finde ich auch zum Glück problemlos. Und ein freundlicher Tankwart steht schon mit der Zapfpistole bereit.

Man fährt in Italien ständig an Tankstellen vorbei, die mit einem großen grünen "G" für "Autogas" werben - doch das ist Flüssiggas, ein Abfallprodukt der Erdölraffinerie. Das ist leider nichts für den Combo. Der braucht Erdgas, auf italienisch "Metano". Das ist seltener im Angebot, dafür liegt der CO2-Ausstoß deutlich niedriger und auch der Preis, ca. 60% vom Benzinpreis, lohnt sich. Es macht Spass, für ca. 15 EUR vollzutanken. Das sind Zahlen, bei denen Benzintanker feuchte Augen bekommen. Erdgas ist im Kommen; man merkt es daran, dass sich bei manchen der meist neuen Tankstellen mit bis zu acht Zapfsäulen schon Warteschlangen bilden. Die Zahl der Erdgasstationen soll schon bald um die Hälfte aufgestockt sein.
Wenn man sich das in ganz Italien einheitliche Schild mit dem stilisierten blau-grünen "m" für Metano merkt und ein bißchen Übung hat, die manchmal kleinen Hinweisschilder zwischen den kinoleinwandgroßen Werbetafeln für Möbelmärkte und Hygieneartikel zu erspähen, findet man die Tankstellen meist recht leicht. Falls nicht, weiß das Personal der herkömmlichen Tankstellen auch immer Bescheid, wo ihre Kollegen vom Gas stecken. Ich bekam immer freundliche Auskunft, auch wenn ich nichts kaufte. Nur einer staunte nicht schlecht, als ich "Bitte Benzin volltanken" sagte und dann nach 9 Litern schon Schluß war. Der Reservetank ist nicht sehr groß, und sich auf ihn zu verlassen funktioniert natürlich nur, wenn er gut gefüllt ist. Erdgas in Italien

Die Gastankstellen haben in Italien grundsätzlich keine Selbstbedienung. So muss man sich nicht um die Technik kümmern. Das befürchtete Adapterproblem war auch keines, obwohl deutsche und italienische Autos unterschiedliche Einfüllstutzen haben. Aber Sandro, der Tankwart an der Via Salaria, der nördlichen Ausfallstraße von Rom, erklärte mir: "Auch Italiener kaufen die Erdgasautos von Opel und VW. Einen Adapter hat jede Tankstelle vorrätig." Und den hatten die Tankwarte meist schon aufgeschraubt, bevor der Motor abgestellt war. Allerdings muß man auf die Öffnungszeiten achten, denn die meisten Tankstellen sind nicht rund um die Uhr geöffnet.

Auf der Rückfahrt merkte ich dann schnell, dass Deutschland noch ein paar Jahre hinterherhinkt. Als ich endlich die Tankstelle der BayWa in Memmingen gefunden hatte, fand ich dort auch einen Schmierzettel mit dem Hinweis "Außer Betrieb". Die Tankstelle in Illertissen hatte auch schon geschlossen. Die Esso-Tankstelle mit Erdgaszapfsäule der SWU (Stadtwerke Ulm) zu finden, war dagegen kein Problem. Die Anleitung zum Selbstbetanken mit der vorgefundenen Technik in Übereinstimmung zu bringen dafür ein um so größeres. Auch die Kassiererin, die mir vorjammerte "Mir hend da koi Schulung kriagt!" konnte mir nicht helfen und so fuhr ich auf Reserve weiter. Bei Aral in Merklingen hatte die Zapfanlage wieder ein anderes System. Auf eine Anleitung hat man hier gleich ganz verzichtet, doch nach langem Probieren strömte endlich das Gas. Die Mitarbeiterin der Tankstelle schaute mir solange mäßig interessiert durch ihr Fenster zu. Ich begann, Sandro und seine Kollegen zu vermissen, die mir jeden Handgriff abnahmen.

Mein Fazit: eine Urlaubsfahrt mit dem Erdgasauto nach Italien ist problemlos. Das nötige Vorplanen und Ausdrucken von Adressen aus dem Internet wird durch die Kostenersparnis und die Umweltfreundlichkeit mehr als wettgemacht. Am Fahrkomfort ist kein Unterschied auszumachen. Allerdings haben die deutschen Erdgasverkäufer beim Service noch einigen Nachholbedarf.

Die Adressen der Erdgastankstellen mit Straßenkarte findet man
für Deutschland z. B. unter www.gas-tankstellen.de,
für die Schweiz z. B. unter www.erdgasfahren.ch,
für Italien z. B.unter www.metanoauto.com (auch deutschsprachig)


Zum Seitenanfang webmaster,  11. April 2008